Die Predigt
Liebe Petra, lieber Thomas,
jetzt seid Ihr hier, das Salz der Erde, wie Ihr genannt worden seid, aber nicht nur Ihr, sondern wir alle sind so genannt worden. Trotzdem feiern wir heute zusammen – und ihr hab diesen Text ausgesucht, weil Ihr Euch bewusst seid, dass hier und heute auch Ihr ab jetzt in besonderer Weise zu Zweit Salz der Erde seid. Ihr seid das Salz der Erde. In der zweiten Lesung steht noch etwas, was Ihr seid: ihr seid von Gott geliebt, und genau darin besteht Euer Salz sein. Ihr seid Salz der Erde, mit diesem Bild was schon vor 2000 Jahren sehr sprechend war, Salz ist natürlich das, was den ganzen Geschmack gibt, was das Ganze auch gesund macht und ohne Salz schmeckt kaum ein Essen. Aber dieses Salz sein müsst Ihr nicht aus Euch selber. Ihr müsst nicht selber einen Kraftakt vollbringen, damit Ihr Salz seid, damit Ihr einander und den anderen wohl tut, sondern der eigentliche Grund, warum Ihr einander wohl tut und warum Ihr eine Wohltat, Salz für die Welt sein sollt, sein könnt, ist der, dass noch bevor Ihr irgendetwas tut, Gott selbst Euch geliebt hat, von Anfang an, von dem ersten Augenblick Eures Sein an, hatte Gottes Liebe Euch schon gefangen, von dem allerersten Augenblick, sogar noch vorher kann man sich ausmalen, mit welcher Freude Gott Euch erschaffen hat, Kein Mensch ist ein Zufall, kein Mensch ist ein Nebenprodukt. Ihr seid von Gott geliebt. Von Urzeiten her ersehnt, seid dem ersten Augenblick Eures Seins, und das ist der Grund warum wir überhaupt zu irgendetwas von Salz zu Salz sein glauben können, weil wir wissen, da ist einer hinter uns, der hält uns in der Hand. Und wenn alles uns verlässt, wenn alles schief geht, einer verlässt uns nie und deswegen ist letztlich alles in Ordnung. Gott ist der Erste, der wirklich treu ist, der Erste der wirklich lieb hat, der Erste der es weiß, sein Leben in die Waagschale zu werfen, alles auf eine Karte, auf ein Versprechen zu setzen. Und weil Ihr wisst, dass Ihr von Gott geliebt seid, das er der Erste ist, deswegen traut Ihr Euch auch, alles in dieses Versprechen zu legen, eine Lebensentscheidung heute zu treffen. Vor Gott eine Entscheidung, die vielleicht von manchen - weiß nicht Arbeitskollegen, Bekannten -auch mit Verwunderung vielleicht sogar angesehen wird. Wie kann man sich denn trauen? Wie kannst Du denn versprechen, Dein Leben lang zusammenzuhalten? Und diese Verwunderung ist gar nicht mal so unangebracht, zum Einen weil man manchmal sieht, dass das gar nicht so leicht ist und zum Anderen weil wir zu Recht in uns selbst – wie Ihr sicherlich auch in Euch – entdeckt, ja die Kraft, um ein Leben lang heute die Treue zu versprechen, die hab ich nicht in der Tasche. Und wenn wir heute mit Euch feiern und wenn Ihr vor Gott feiert, man könnte noch besser sagen mit Gott Eure Hochzeit feiert, dann deswegen, weil Ihr Euch auf Ihn verlasst. Diese Feier, dieses Sakrament, das Ihr Euch gleich Spenden werdet, indem Ihr Euch die Treue versprecht, spendet Ihr Euch dieses Sakrament, und ein Sakrament heißt immer, dass Gott selbst handelt. Durch Eure Worte handelt auch Gott. Und was tut Gott in dem Moment in dem Ihr Euch die Treue versprecht? Er verspricht Eurer Ehe die Treue, er verspricht, dass er bei Euch ist, dass er Euch treu zur Seite steht in dem, was Ihr versprochen habt. Man könnte sagen, dass er das Salzbergwerg ist, aus dem Ihr immer wieder schöpft. Und wenn Ihr irgendwann mal seht, dass Euch irgendwas am Anderen, wie man so schön sagt, irgendwas am Anderen stinkt, dass Euch irgendwas auffällt, dass er schon wieder nicht gemerkt hat, das man gerade müde ist, oder was man hier zwischen den Zeilen gerade andeuten wollte und der Andere ist wieder darüber hinweggegangen, blind, wie er schon immer ist, denkt man sich dann vielleicht. Wenn irgendwo Ihr merkt, wir wollen uns zwar lieben, wir haben es uns auch versprochen, aber es klappt nicht so, dann seid nicht enttäuscht. Ich denke, dass Ihr nicht ganz blauäugig in diese Ehe geht. Ihr kennt Euch schon und Ihr wisst, dass Lieben nicht nur auf Wolke 17 durch den Himmel schweben heißt, sondern dass das auch manchmal etwas ist, wo man Mut braucht, um wieder neu anzufangen. Und wenn das so ist, wenn Ihr das merkt, dann erinnert Euch daran, Gott selbst hat Euch versprochen, dass er mit Euch geht, das er Euch dieses Salz immer erneuert. Denn wir selbst können nicht aus uns und aus eigener Kraft versprechen, was Ihr heute tut. Trotzdem ist es in uns so, dass wir das wollen, von ganzem Herzen wollen wir eine Entscheidung, dass wir dem Anderen sagen: Ich liebe Dich ganz, ohne Einschränkungen, ohne Beschränkungen der Zeit, und nicht nur auf Probe sondern ganz, ohne Bedingungen. In uns ist es so, dass wir ganz wollen und gleichzeitig auch erschrecken, weil wir sehen: Die Kraft für solche Entscheidungen kann nicht von uns allein kommen. Vielleicht ist das Einer der schönsten Gottesbeweise. Wir sind angewiesen auf die Kraft von Gott. Wir sehnen uns nach so vielem, was wir selbst nicht garantieren können. Gott kommt zu Euch in diesem Versprechen und er verspricht, das sein Salz nie ausgeht, dass Ihr immer, in allen Situationen, welche auch immer, zu Ihm kommen könnt und Ihn bitten könnt, und dann auch ruhig Ihm sagen, Ihn erinnern, Du wart doch dabei! Es ist doch Dein Sakrament, das Du uns da geschenkt hast, Du hast uns doch die Treue versprochen. Wenn, was weiß ich, wenn es mit den Kindern schwer sein sollte, der Eine kommt nicht durch die Schule und man ist ganz verzweifelt. Oder wenn Einer krank ist oder der Arbeitsplatz unsicher, was auch immer, Euer Schicksal, das Ihr heute gemeinsam vor Gott bindet, liegt in den Händen Gottes, und wenn es schwierig ist, dürft Ihr Ihn daran erinnern, dass er Euch hilft, wenn es nicht schwierig ist, dürft Ihr Ihm danken, denn er freut sich mit Euch. Das ist das Erste, was ich Euch sagen will: Dankt Gott und kommt zu Ihm. Er ist das Salzbergwerk in Eurem Leben. Vergesst das nicht, denkt jeden Tag daran, dankt Ihm jeden Tag, liebt Ihn von Tag zu Tag mehr, und dann werdet Ihr erleben, wird Euch diese Salz nie ausgehen. Und wenn Ihr es gar nicht mehr in der Hand habt, dann wisst Ihr, wo Ihr es schürfen könnt. Das ist das Erste, kommt zu Gott!
Das Zweite, Ihr versprecht Euch gegenseitig Liebe, die Liebe braucht Zeit, und sie braucht Zeit miteinander. Ihr erwartet voneinander diese Versprechen und erwartet zu Recht, dass der Andere Euch liebt um Eurer selbst willen, nicht weil Ihr gerade irgendetwas wunderbar gemacht habt, nicht weil Ihr gerade Erfolg im Beruf habt, nicht weil Ihr gerade besonders frisch und gut ausschaut, sondern ganz umsonst, um Eurer selbst willen, unverdient sozusagen. Ihr seht, der zweite Rat: Nehmt Euch Zeit für diese unverdiente, diese Zweckfreie. Wo ihr zusammen seid, nicht um irgendetwas zu organisieren, die Hochzeit ist jetzt hoffentlich fertig organisiert, oder der nächste Geburtstag vielleicht, oder zu planen, wie es im Beruf weitergeht, ich weiß nicht, was alles. Nehmt Euch Zeit, einfach nur für Euch, wo Ihr Zeit habt zu reden, auszusprechen was vielleicht, vielleicht manchmal auch gar nicht so leicht ist zu sagen, Zeit um Eurer Liebe Raum zu geben, Zeit umsonst, reden lassen. Ich weiß von Ehepaaren, die es interessiert, jede Woche in den Terminkalender schreiben. Ihr werdet einen Weg finden. Nehmt Euch Zeit, pflegt Eure Liebe, die ganz zweckfrei auch sein muss.
Und das Dritte: Ich glaube nicht, dass Ihr glaubt, dass Ihr perfekt seid. Wer Euch besser kennt...kann das vielleicht bestätigen. Keine Angst übrigens, Ihr müsst es auch nicht sein, Ihr wärt die Einzigen hier im Raum. Wir müssen nicht perfekt sein. Niemand ist perfekt, auch alle Eure Vorbilder in der Ehe, Eure Eltern, Freunde, Bekannte, keiner muss perfekt sein. Nehmt nicht den Anspruch mit in diese Ehe, wir wollen die vollkommene Ehe haben, unser Leben lang führen. Nehmt nicht den Anspruch an Euch selbst: Ich will der perfekte Ehemann, die perfekte Ehefrau sein. Und erwartet auch vom Anderen nicht: Du hast mir doch Deine Liebe versprochen, also erwarte ich perfekte, vollkommene Liebe von Dir. Perfekt, vollkommen ist nur Gott, der ist natürlich auch hier im Raum, aber der Einzige, der vollkommen ist. Was wir sind, sind Menschen, die mit unserer Unvollkommenheit, auch oft genug mit unserer mangelnden Liebe umgehen müssen. Und wie tun wir das? Indem wir verzeihen. Gott ist der Erste, der uns verzeiht, deswegen ist Jesus ans Kreuz genagelt, weil er uns wirklich alles verzeiht, und deswegen bereit ist diesen Preis zu zahlen. Jesus riskiert alles in seiner Liebe. Ihr legt heute auch alles in die Waagschale, aber im Wissen, das der Andere nicht vollkommen ist. Das heißt, Ihr versprecht heute zum Einen die Liebe, die Treue, aber Ihr versprecht auch die Liebe, die Barmherzigkeit, Vergebung. Und so der dritte Ratschlag: Übt es immer wieder und immer weiter, ich weiß, dass Ihr schon dabei seid, übt es immer weiter, einander zu verzeihen, von Herzen zu verzeihen. Und natürlich auch, um Verzeihung zu bitten, wenn es nötig ist, jeden Abend, oder vielleicht auch noch öfter, keine Ahnung. Verzeiht einander! Lasst nicht zu, wie es einmal in einem Psalm heißt, dass die Sonne über Eurem Zorn untergeht. Sprecht es aus! Verzeiht! Und wenn mal etwas sein sollte, was schwer fällt zu verzeihen, weil es einen persönlich getroffen hat, vielleicht eine alte Wunde, die der andere gar nicht kennt, aber die tief sitzt, oder vielleicht auch gravierende Lieblosigkeit passiert ist, haltet fest am Verzeihen. Wenn es nicht gleich geht, dann bittet Gott und bettelt so lange bis es geht. Wenn Ihr verzeihen lernt, verzeihen könnt, wenn Ihr beten lernt und das tut, täglich, wenn Ihr Euch Zeit nehmt ganz umsonst füreinander, Eurer Liebe Raum zu geben, dann habt Ihr denke ich Alles, damit Gottes Versprechen, dass er Euch treu ist, Euch so weit hilft, dass Eure Ehe zu dem wird, was wir Euch wünschen, dass sie zu einem Lebenslauf wird, in dem eine tiefe Fülle gegeben ist, die Fülle der Liebe. Und diese Fülle, die Euch immer mehr miteinander verbindet, die Euch gleichzeitig immer mehr mit Gott verbindet und die Eurem Leben eine Weite gibt, die sogar über dieses irdische Leben hinausgeht. Ehe heißt, Lieben lernen. Ihr seid nicht perfekt, Ihr seid vielleicht immer wieder am irren, so wie Christ sein, auch Lieben lernen heißt. Gott schenkt Euch Euch gegenseitig, damit Ihr es lernt zu lieben, damit Ihr lernt, in seiner Liebe mehr und mehr verwurzelt zu sein, zu ihm zu gehören und dann auch vielen anderen Menschen die Freude zu schenken, an Euch zu sehen, was Liebe ist, wenn nötig auch zu sehen, was Liebende verzeihen und zu glauben, dass es Liebe gibt.
Amen!